Beitrag von franziska Mitglied seit: 15.02.2012 franziska hat folgende Unverträglichkeiten: Histaminintoleranz Gesammelte Punkte: 22
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Mein mühsamer und langwieriger Weg zur Diagnose „Histaminintoleranz“
Die Erkenntnis, dass ich an Histaminintoleranz leide, hat annähernd dreißig Jahre gedauert. Wobei ich davon ausgehe, dass ich sie wohl schon als Kind hatte, aber der Begriff unbekannt oder zumindest in Arztpraxen allenfalls als exotisches Wissen vorhanden war.
Ich bin nun nahezu siebzig Jahre alt und habe auf Grund ständiger ausschließlich nächtlicher Kopfschmerzen mit der Recherche der Ursache nicht nachgelassen, nachdem ich die allen Betroffenen bekannte Odyssee von Arzt zu Arzt, von Fachgebiet zu Fachgebiet erfolglos absolviert hatte.
Ich möchte die Schritte von rückwärts her aufrollen, also vom heutigen Stand zu den unternommenen Fehlversuchen davor.
Vor etwa einem Vierteljahr hat sich meine Suche im Internet soweit eingeengt, dass ich auf der Site einer Kopfwehklinik auf die Stichworte Rotwein, Käse, Stress gestoßen bin.
Auch früher hatte ich schon an Wein gedacht. Da ich jeden Abend mit meinem Mann zusammen Wein genossen habe, habe ich natürlich versucht, einige Wochen ohne Wein zu leben. Das Ergebnis war aber kein anderes als mit Wein. Zuletzt habe ich aber extreme Kopfschmerzen bei Rotwein bekommen. Mediterranes Essen hatten wir bevorzugt und inzwischen weiß ich, dass genau das „Gift“ bei HI bedeutet. Wenn ich auf Weißwein umgestiegen bin, waren die Kopfschmerzen seltener oder schwächer. Wenn ich keinen Wein getrunken hatte und dennoch Kw hatte, musste es möglicherweise der Käse sein, den ich fast exzessiv gegessen habe: mit Vorliebe Parmesan, Manchego und ähnlich gute Sorten. Spinat war mein Lieblingsgemüse, Lachs mein Lieblingsfisch.
Die Jahre vorher, seit etwa 1975, begann es mit den nächtlichen Kopfschmerzen. Zunächst hat ein Hormonpflaster geholfen, später nicht mehr. 1983 habe ich mir auf Anraten des Gynäkologen die Gebärmutter entfernen lassen, davor und danach fanden verschiedene Operationen statt: zweimal Venen gezogen, Mandelentfernung, die Geburt unseres Sohnes unter Narkose, mittelschwerer Unfall mit Kopfverletzung,
Polypen in Nase, Brust, Enddarm entfernt (schwere OP);Hüftoperation, Meniskus, Chemotherapie (Lymphom).
Bei den Narkosen, Untersuchungsmethoden mit Arzneimitteln wie z.B. CT oder anderen Krankenhausbehandlungen hatte ich regelmäßig starke Reaktionen in Form von Übelkeit, Erbrechen und unbeschreiblichen Kopfschmerzen, die oft ebenfalls zu Erbrechen führten. In einem Fall nach einem CT hatte ich nachts wandernde Schmerzen am ganzen Körper, wie ich sie vorher noch nie im Leben gehabt hatte. Vor jeder Operation habe ich im Vorgespräch diese Reaktionen angesprochen, da ich aber an keiner Allergie leide, wurde das nur ratlos zur Kenntnis genommen und mir versichert, dass die geplanten Mittel alle gut verträglich seien. Auch bei den Arztvisiten, in denen ich mein Kopfweh ansprach, herrschte nur Ratlosigkeit. Die einzige Linderung erfuhr ich, wenn ich mir von der Nachtschwester eine starken Kaffee geben ließ, was aber nicht immer erfolgreich war und Schlaflosigkeit zur Folge hatte. Diese starken Reaktionen ließen dann etwa nach zwei Wochen nach.
Mein Nervenkostüm ist nicht sehr stabil, allerdings geht der Stress nach innen. Schon als Kind war ich Dauerstress unterworfen, da meine Schwester und ich eine psychisch kranke Mutter hatten. Als Kind hatte ich oft immer irgendwas an Störungen, ohne ernstlich krank zu sein.
Nachdem ich geheiratet hatte, habe ich mit Hilfe meines Mannes versucht, mich zu „sanieren“. Manches mit Erfolg, aber viele Störungen wurden meist als „vegetative Dystonie“ klassifiziert. Auch ein EEG hat keine Erklärung meiner Kopfschmerzen erbracht.
Seit 1965 war ich ohne Unterbrechung als Lehrerin tätig, etwa 20 Jahre lang an Gesamtschulen. Diese Tätigkeit hat mich zuletzt so überfordert, dass ich 2001 wegen Burnout-Symptomen, die in diesen Jahren noch nicht so häufig auftraten, in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde. Sollte meine HI nicht schon seit Kindheit an bestanden haben, so habe ich sie mit größter Wahrscheinlichkeit in dieser Zeit als Lehrerin erworben, denn der Unterricht verlief in den letzten Jahren in bestimmten Schulformen so, dass ich ständig überfordert war und der Zustand vergleichbar war mit Darstellungen in den Medien von unhaltbaren Zuständen mit Schülern.
Im November 2011 schließlich entdeckte ich bei meiner Recherche im Internet die Adresse der Interessengemeinschaft http://www.histaminintoleranz.ch/. Mir fiel wie Schuppen von den Augen, dass dies die Lösung sei.
Von heute auf morgen habe ich die strikte Auslassdiät eingehalten. Schon das Weglassen der unerlaubten Käsesorten hat sofortige Besserung gebracht – in derselben Nacht.
Seitdem halte ich mich streng daran. Außer Grüntee, Kaffee und Weißwein (täglich) erlaube ich mir keine Extratouren.
Ich habe mir histaminfreien Wein aus dem Burgenland schicken lassen, da ich aber noch „herkömmlichen“ habe, trinke ich im Wechsel und stelle fest, dass mir der herkömmliche noch etwas besser bekommt.
Da ich keine Misserfolge mehr und damit Kopfweh möchte, mache ich auch (nach einigen wenigen Fehlversuchen) keine Experimente mehr. Ich genieße die Schlichtheit des Essens und freue mich riesig an einer gelegentlichen Waffel mit Ahornquark.
Nachdem ich bisher alle Schritte alleine getan habe und dank der oben genannten Adresse unglaublich fit im Umgang mit meiner HI geworden bin, habe ich mich dennoch entschlossen, meine Hausärztin zu informieren, da ich eine große Menge an Schüsslersalzen Manganum sulfuricum D6, Zincum chloratum D6 und etwas Cuprum arsenicosum D6 brauche (trotz Auslassdiät). Da mir diese Mittel auf Dauer zu teuer sind und ich der Meinung bin, dass HI als Krankheit gesehen werden sollte, will ich versuchen, sie als Rezept über meine Ärztin zu bekommen.
Meine Hausärztin scheint eine Ausnahme in der uninformierten Ärzteschaft zu sein: sie wusste sofort damit umzugehen und hat außer einer ausführlichen Blutuntersuchung einen Gentest angeordnet. Die Blutuntersuchung hat ein exzellentes Ergebnis gebracht, sodass andere Krankheiten wohl ausgeschlossen werden können.
Der letzte Versuch vor meiner HI-Erkenntnis war die Behandlung durch einen kompetenten und aufgeschlossenen Homöopathen, mit dem zusammen ich versucht habe, meine vielfältigen Störungen („Das ist eine etwas größere Baustelle“) zu beheben und wir haben Versuche mit Konstitutionsmitteln gemacht. Gelegentlich gab es kleine Erfolge, aber nicht durchschlagend. Nachdem ich die Besserungen durch die Diät erfahren habe, habe ich die homöopathische Behandlung vorerst beendet.
Für eine genetisch bedingte HI spricht, dass mein Vater in jüngeren Jahren ständig Kopfweh hatte und auch meine Schwester an Darmproblemen gelitten hat, die der behandelnde Arzt als HI eingestuft hat und eine Darmsanierung bei ihr vorgenommen hat. Beide gemeinsam haben bzw. hatten wir ständig irgendwelche gesundheitlichen Störungen, ohne richtig krank, aber auch nicht wirklich gesund zu sein.
Was mich verwundert ist die Tatsache, dass ich den Eindruck habe, in Bezug auf HI immer empfindlicher zu werden. Wenn ich schon mal Versuche gemacht habe, z.B. Kaffeemilch oder Kochwurst oder übliches Vollkornbrot zu essen, habe ich sehr heftig mit Symptomen reagiert. Auch trifft zu, dass man einfach keine Regel findet: sowohl die Tagesform wechselt als auch die Verträglichkeit verschiedener Nahrungsmittel als auch die auftretenden Symptome. Diese Tatsache macht die Handhabung noch schwieriger. |